Amerika, Nachhaltiges Reisen, Peru

Cusco, der Rainbow Mountain & eine der schönsten Zugfahrten der Welt in Peru

2. April 2017
Cusco_Rainbow Mountain

Cusco ist einer der bekanntesten Orte in Peru, denn er gilt als Sprungbrett zum berühmten Machu Picchu und dem Heiligen Tal mit weiteren faszinierenden Ruinen der Inkas. Aber er erzählt auch selbst viele spannende Geschichten rund um die Inkas, die von hier aus ihr Reich aufgebaut haben. Cusco selbst liegt auf 3.400 Metern, doch du kannst noch viel höher hinaus: auf den wunderschönen Rainbow Mountain mit 5.200 Metern. Noch haben nicht viele Reisende dieses Juwel in ihrem Programm. Ebenso wie die Zugfahrt von Puno nach Cusco mit dem Andean Explorer, die als eine der schönsten der Welt gilt!

Mit dem Andean Explorer von Puno nach Cusco

Schon als ich das erste Mal auf den Andean Explorer gestoßen bin, wusste ich: Diese Zugfahrt muss in meine Peru Planung! Sie verläuft durch die Anden und bringt dich vom Titicacasee nach Cusco oder umgekehrt. 10 Stunden atemberaubende Fahrt, ohne eine Minute Langeweile!

Cusco_Rainbow Mountain Andean Explorer Zug

Schon als ich morgens um 7.30 Uhr die Wartehalle von PeruRail betrete, ist etwas anders als bei meinen bisherigen Zugfahrten. Ein Heizpilz spendet Wärme, es werden Tee und Kaffee serviert und die ersten Gäste von adrett gekleideten Bediensteten zu ihren Plätzen im Zug geleitet. Als ich an der Reihe bin und den Waggon betrete, bin ich sofort entzückt von der mondänen und behaglichen Atmosphäre. Ich fühle mich in eine andere Zeit versetzt. In eine Zeit, in der Männer im Anzug mit Hut und Zigarre Zeitung lesen und eine Live-Band mit 50er Jahre Musik für Unterhaltung sorgt.

Mein Sitzplatz besteht aus einem bequemen Sessel mit Tischchen, stilvoller Lampe und frischen Blumen. Peruanische Musik erfüllt das Abteil des circa 70 Jahre alten Andean Explorer, der vor ungefähr 8-9 Jahren aus Rumänien nach Peru gebracht wurde. Als alle Gäste an Bord sind, fahren wir mit einem etwas unsanften Ruck und einem lauten Tuten pünktlich um acht Uhr los. Quer durch die Stadt Puno, am Titicacasee und der Anlegestelle für die Boote zu den Uros Inseln vorbei, bahnt sich der Zug seinen Weg in Richtung Norden.

Nach circa einer Stunde erreichen wir Juliaca. Meine frische Tasse Tee gerät in Vergessenheit, denn was hier passiert, kenne ich nur aus Indien. Wir fahren mitten durch einen Markt hindurch. Nur wenige Zentimeter trennen den Zug von den Ständen. Ich laufe schnellen Schrittes nach hinten in den halboffenen Teil des Zuges. Kinder und Erwachsene winken uns aufgeregt und begeistert lachend zu. Verkäufer bauen ihre Stände auf den Gleisen wieder auf und sortieren ihr zwischen den Bahnschwellen liegen gelassenes Obst neu, nachdem der Zug darüber gerauscht ist.

Cusco_Rainbow Mountain Andean Explorer Juliaca

Cusco_Rainbow Mountain Andean Explorer Juliaca Markt

Ich spüre, wie jemand durch die Gitterstäbe an meinen Unterschenkel fasst und blicke in die Augen eines alten Mannes, der mir verschmitzt entgegen grinst. Schnell wird mir klar, dies ist keine normale Zugfahrt, sondern ein einmaliges Erlebnis, das mir für immer in Erinnerung bleiben wird!

Im Salon wird anschließend – es ist gerade einmal 10.15 Uhr – zum Pisco Sour geladen, DEM Aperitif in Peru. Begleitet wird der frühe Alkoholkick von Live-Musik und Tänzern aus Puno, während Lamas, Alpakas und kleine Dörfer an den Fenstern vorbeiziehen. Um 12.00 Uhr ist es Zeit fürs Mittagessen bestehend aus einem Salat, dreierlei Brot, Risotto aus Quinoa und einem herrlich saftigen Schokokuchen. Weitere kleine süße Sünden gibt’s beim darauf folgenden Kaffee oder Tee. Ein echtes Festmahl auf Rädern!

Die Landschaft beginnt sich zu verändern, die Anden nähern sich, wir nehmen Kurs auf entlegene Gegenden. Mich zieht es wieder nach draußen, wo mir der frische Fahrtwind ins Gesicht bläst. Mittlerweile hat es deutlich abgekühlt, doch mein neuer kuscheliger Pulli aus Babyalpaka, den ich kurz zuvor auf einem lokalen Markt mitten in der Pampa gekauft habe, hüllt mich sofort in wohlige Wärme. Bis zur Tea Time werden wir erneut mit Live-Musik und Tanz, dieses Mal aus Cusco, auf unser Ziel eingestimmt. Kleine Küchlein und zweierlei Sandwich begleitet von frischem Zitronengrastee runden das kulinarische Erlebnis im Andean Explorer ab.

Auch in Cusco werden wir von freudigen Gesichtern und winkenden Händen empfangen, während sich der Zug mit lautem Tuten seinen Weg durch die Stadt bahnt. Was für eine berauschende Zugfahrt, auf der 10 Stunden wie im Flug vergangen sind!

Cusco_Rainbow Mountain Andean Explorer Essen

Cusco_Rainbow Mountain Andean Explorer Zug Aussicht

Zur Info: Der Andean Explorer hat am 29. April seine letzte Fahrt. Ab 4. Mai übernimmt der Belmond Andean Explorer, der erste Luxuszug mit Schlafmöglichkeit in Südamerika. Dieser fährt außerdem bis nach Arequipa.

Cusco – auf den Spuren der Inkas in der Puma Stadt

Cusco gilt als Ausgangspunkt für Touren zum Machu Picchu und ist daher vor allem im Zentrum ziemlich touristisch. Als ich das erste Mal den Hauptplatz erreiche, bin ich zunächst total entsetzt. Von allen Seiten reden aufdringliche, wild gestikulierende Verkäufer auf mich ein und preisen ihre Produkte an. Massagen und Touren hier, selbstgemalte Bilder da. Die Kathedrale und der begrünte Vorplatz jedoch bieten einen wirklich schönen Anblick. Von hier startet auch die Free Walking Peru Tour, auf der ich interessante Details über die Stadt erfahre und auch die besonders schönen, ruhigen Ecken kennenlerne.

Cusco_Rainbow Mountain Cusco Hauptplatz

Cusco_Rainbow Mountain Cusco Innenstadt

Cusco wird auch Puma Stadt genannt. Die beiden Flüsse, die hier größtenteils unterirdisch fließen, stellen die Venen der Pachamama (Mutter Erde) dar und bilden zusammen die Form eines Pumas. Die Umrisse eines Kondors finden wir mit etwas Fantasie in den alten Inkamauern der Calle Sunturwasi. Als die Spanier die Stadt eroberten, wurden viele Häuser der Inkas zerstört und neue Mauern einfach auf die alten gut erhaltenen gesetzt. Cusco ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes wie auch die erhaltenen, antiken Hausmauern. Diese dürfen an manchen Stellen sogar nicht einmal berührt werden, wie auf den angebrachten Verbotsschildern zu lesen ist.

Da die Bewohner Cuscos sehr religiös sind, stehen an vielen Ecken der Stadt wunderschöne alte Kirchen. Auf der anderen Seite ist aber auch der Glaube an die Pachamama allgegenwärtig. Bevor die Cuscaner mit dem Essen beginnen, wird zum Beispiel als Zeichen des Respekts und der Verehrung ein wenig davon für die Pachamama auf den Boden gelegt.

Ein Stadtteil, der mich total begeistert hat, und den wir im Anschluss an das Zentrum besichtigen, ist San Blas. Hier kommt Spanienfeeling auf! Viele Künstler leben in diesem kreativen Viertel mit seinen gemütlichen Cafés, kleinen Läden, engen Gassen und bunten Balkonen mit grünen Topfpflanzen. Besonders angetan bin ich vom Café Atelier, in dem du mit deinem Kaffee auf einem kleinen Balkon direkt über der Straße sitzen, die behagliche, malerische Atmosphäre genießen und danach noch ein bisschen shoppen kannst.

Cusco_Rainbow Mountain Cusco San Blas

Cusco_Rainbow Mountain Cusco L'Atelier

Cusco_Rainbow Mountain Cusco San Blas

Teil der Tour ist außerdem der Besuch eines Herstellers traditioneller Musikinstrumente, deren Klang uns unser Guide eindrucksvoll vorführt. Rasselnde Alpakahufe, eine riesige Muschel, ein Eselkiefer mit klappernden Zähnen und die klassische Panflöte erfüllen den Raum mit ungewohnten, einzigartigen Tönen.

Weiter geht es zu einem Aussichtspunkt in diesem Viertel. Von hier oben ist deutlich sichtbar, dass Cusco, umsäumt von Bergen, die als Behüter der Stadt gelten, in einem Tal liegt. Wenig später endet die Tour in einem Restaurant mit einem frischen Pisco Sour.

Anschließend schaue ich mich noch etwas auf dem vielfältigen San Pedro Markt um. Unzählige bunte Stände mit Kleidung, Speisen, Kosmetik, Käse und frischen Säften reihen sich aneinander. Ähnlich wie in La Paz sind auch hier „Hexen“ mit Kräutern, Lamaföten, eingelegten Schlangen und anderen magischen Zutaten vertreten. Ich wüsste ja zu gerne, was sie alle bedeuten.

Cusco_Rainbow Mountain Cusco San Blas Aussichtspunkt

Cusco_Rainbow Mountain Cusco Einheimische

Cusco_Rainbow Mountain Cusco Markt

In der Cuesta de San Blas gerate ich wenig später in einen Shoppingrausch. Hier befindet sich, wenn du den Berg hochgehst, rechts ein kleiner Markt, in dem original handgemachte peruanische Kleidung, Decken, Schals und andere Souvenirs aus echtem Alpaka angeboten werden. Ich liebe diese bunten, leuchtenden Farben, die sofort gute Laune machen!

Wenn du noch mehr über die Inkas wissen willst, wirst du im Inka Museum fündig, und auch im Umkreis von Cusco gibt es diverse alte Inka Ruinen, die besichtigt werden können.

Traumhaft schlafen in einem alten Inkapalast

Das historische Gebäude direkt neben dem Inka Museum wirkt wie ein ehrwürdiges Kloster. Die alte, schwere Holztür ist geschlossen. Doch ich muss gar nicht erst klopfen, da wird sie schon nahezu magisch vom Portier des Inkaterra La Casona geöffnet. Ich betrete die alten Mauern und fühle mich wie in eine andere Zeit versetzt. Für eine Tasse frischen Munia Tee, der gut gegen Symptome der Höhenkrankheit wirkt, werde ich in einen gemütlichen Raum mit bequemen Sofas und dezenter klassischer Musik geleitet.

Wie ich von einem Mitarbeiter erfahre, befand sich hier unter anderem das Trainingszentrum der Elite Armee der Inkas. Später wählte Simon Boliviar, der bei der Befreiung Perus von den Spaniern eine tragende Rolle spielte, das wunderschöne Gebäude als seine Residenz. Danach wurde es von Inkaterra liebevoll restauriert und zu einem Boutique Hotel umgestaltet, welches als erstes in Peru Teil der Relais & Chateauxs wurde. Sowohl die Kultur der Inkas als auch der spanische Kolonialstil spiegeln sich im Interieur des Hauses wieder.

Cusco_Rainbow Mountain Inkaterra La Casona

Cusco_Rainbow Mountain Inkaterra La Casona Cusco

Privatsphäre wird im Inkaterra La Casona groß geschrieben. Nur 11 Zimmer sind in den historischen Gemäuern untergebracht und so geräumig wie auch unglaublich gemütlich eingerichtet, dass man sie am liebsten gar nicht mehr verlassen würde. Außer vielleicht, um im wunderschönen, ruhigen Innenhof die einzigartige Atmosphäre aufzusaugen. Ein Kamin, der auf Wunsch befeuert wird, und eine freistehende Badewanne sorgen zudem für Wohlbefinden und Entspannung.

Die Lage dieses Hotels in San Blas ist ideal, um sowohl in den historischen Kern Cuscos zu gelangen als auch das wunderbare San Blas Stadtviertel zu erkunden. Zur Tea Time solltest du allerdings wieder zurück sein, denn der feine, aromatische Tee und die süßen Leckereien sind köstlich.

Das Besondere an den Inkaterra Hotels, von denen es in Peru noch mehr gibt, ist ihre nachhaltige, öko-freundliche Philosophie im Kampf gegen die Erderwärmung. Eine von ihnen gegründete Organisation setzt sich besonders für den Schutz der peruanischen Umwelt, seiner Kultur und archäologischen Ressourcen ein. Alle Inkaterra Hotels sind Teil der Green Pearls, einer Plattform für grünen, nachhaltigen Tourismus in außergewöhnlichen Hotels.

In jedem Inkaterra erwartet dich außerdem als Erinnerung ein kleines Geschenk im Zimmer, das du als Andenken mitnehmen darfst. Hier ist es ein wunderschön verzierter Bulle aus Keramik, der in Cusco teilweise auf den Dächern steht und das Haus beschützen soll.

Rainbow Mountain – Tagesausflug zum versteckten Juwel

Es ist mitten in der Nacht, genauer gesagt 2.00 Uhr, als der Wecker mich aus dem Schlaf reißt, in den ich erst vor wenigen Minuten gefallen bin. Dennoch springe ich freudig aus dem Bett, denn für heute steht eine Wanderung zum spektakulären Rainbow Mountain an. Er ist noch ein echter Insidertipp für Peru und daher umso aufregender.

Cusco_Rainbow Mountain Wanderung

Über FlashpackerConnect habe ich die Tour gebucht, und ich kann dir sagen, sie ist die beste, die für den Rainbow Mountain angeboten wird, auch wenn sie etwas teurer als bei anderen Anbietern ist. Denn: Wir waren die ersten auf dem Berg, alles war top organisiert und das Essen sehr lecker! Aber von vorne…

Nachdem alle acht Gruppenmitglieder in ihren Hotels eingesammelt sind, dauert die Fahrt in die Berge ab Cusco circa drei Stunden. Genug Zeit für ein kleines Nickerchen, das sich dank der bereit gestellten Decke ein wenig nach kuscheligem Bett anfühlt. Gegen Ende verläuft die Strecke passähnlich, bis wir eine kleine Lehmhütte erreichen, in der wir ein super leckeres Frühstück serviert bekommen: frisches Obst, warmes Quinoa zum Trinken, Brot, Eier und heiße Getränke stärken uns für die anstehende Wanderung.

Nach einer weiteren kurzen Fahrt treffen wir am Startpunkt der Wanderung ein. Von 1.410 Metern Höhe werden wir uns nach 16 Kilometern auf über 5.200 Meter hochgearbeitet haben. Als Wegzehrung erhalten wir noch eine kleine Snacktüte, und los geht’s.

Da ich mir in La Paz den Magen verstimmt hatte, habe ich im Vorfeld für einen Teil der Strecke ein Pferd gebucht. Du kannst aber auch spontan entscheiden, ob du eines nutzen möchtest. Den ersten Teil lege ich also auf dem Rücken des zierlichen Pferdchens zurück, begleitet von zwei wunderschön traditionell gekleideten Frauen, die hier in den Anden leben. Der Weg verläuft am Anfang flach, doch später folgen einige steile Abschnitte, die ganz schön in den Oberschenkeln ziehen. Ein bisschen beneide ich die Lamas und Vikunjas, die friedlich und zufrieden am Wegesrand und hoch bis an dem Fuß der Berge grasen.

Cusco_Rainbow Mountain Anden Menschen

Cusco_Rainbow Mountain Wanderung Lamas

Cusco_Rainbow Mountain Reiten

Die letzten Meter bis zum Aussichtspunkt zehren an meinen Kräften. Erinnerungen an die anstrengenden Gipfelbesteigungen während meines Aufenthalts im Torres del Paine Chile und in Pucon in Araukania Chile kommen auf. Da ich aber für einige Teile des Weges ein Pferd genommen habe und somit noch nicht ganz so erschöpft bin wie der Rest der Gruppe, schaffe ich es als Erste auf den Berg. Was für ein unglaubliches Gefühl, dieses Juwel für ein paar Minuten ganz für mich allein zu haben. Und welch irreal erscheinende fantastische Farben!

Der erste Aussichtspunkt reicht mir aber noch nicht. Ich will höher hinaus auf den Berg rechts davon. Von hier ist der Blick noch gigantischer, denn hier empfängt mich eine unbeschreibliche 360 Grad Aussicht. Schneeweiße, glitzernde Gletscher, bunt schimmernde Berge, grün leuchtende Täler und vor allem die ungewöhnlich bizarre Form des Regenbogen Bergs – einfach unglaublich, was unsere Natur alles geschaffen hat! Auch der Wettergott scheint es trotz Regenzeit gut mit mir zu meinen, denn die Sonne scheint und lässt die sieben verschiedenen Farben noch intensiver leuchten. Diese entstehen übrigens aufgrund unterschiedlicher Mineralien, darunter Kupfer, Sulfat und Eisen.

Cusco_Rainbow Mountain

Cusco_Rainbow Mountain Wanderung Aussicht

Cusco_Rainbow Mountain Einheimische

Der Rückweg zieht sich etwas, aber zum Glück schaffen wir es alle rechtzeitig zum Wagen, bis das Wetter umschlägt und es heftig zu regnen und später zu hageln beginnt. Wir fahren zurück zum Ort des Frühstücks, wo uns dieses Mal ein leckeres Mittagessen mit Gemüse, Guacamole, verschiedenem Fleisch und Suppe erwartet.

Auf dem Heimweg passieren wir herrlich grüne Täler mit wunderschönen von der Natur geformten Terrassen. Ein Fluss bahnt sich seinen Weg durch Felsen und Vegetation. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir mein Hotel, und ich falle erschöpft, aber glücklich ins weiche Bett. Was für ein wundervoller Tag!

Fernweh Reiseblog




Vielen Dank an Green Pearls, Inkaterra und FlashpackerConnect für die Unterstützung. Meine Meinung ist wie immer meine eigene und wurde in keinster Weise beeinflusst.

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