Amerika, Chile, Nachhaltiges Reisen

Torres del Paine Trekking durch Patagoniens Bilderbuchlandschaften

27. Februar 2017
Torres del Paine Trekking Lamas

Hasen hoppeln über die Straße, eine tiefblaue Lagune, beeindruckende Bergmassive und grüne Magellanwälder ziehen an meinem Fenster vorbei. Auf mich wartet der Torres del Paine Nationalpark, einer der Hauptgründe meiner Reise nach Chile. Schon vor langer Zeit habe ich Bilder von diesem wunderbaren Ort mit türkisen Lagunen, schroffen Bergketten und Lamas in der Pampa bestaunt, und nun bin ich selbst hier. Vorfreude pur!

Schon früh morgens werde ich von meinem Hotel in Puerto Natales abgeholt und in 1,5 Stunden zu meiner traumhaften Unterkunft im Patagonia Camp gebracht. Nur 10 Minuten nach meiner Ankunft sitze ich schon in einem Van des Camps, um an meiner ersten Torres del Paine Trekking Tour teilzunehmen. In diesem Hotel wird – wie bei so vielen im Park – ein Komplettpaket angeboten, das auch die Teilnahme an Touren beinhaltet. Perfekt, denn so musst du dich wirklich um gar nichts kümmern und kannst deine Favoriten auswählen.

Torres del Paine Trekking Patagonia Camp

Guanacogerippe und Totenschädel im Puma-Jagdgebiet

Heute steht der Fauna Trail im Osten des Parks auf dem Programm. Wie viele Hotels, liegt auch das Patagonia Camp nicht direkt im Park, sondern ein paar Kilometer außerhalb, sodass wir erst einmal hineinfahren müssen. Kurz darauf erreichen wir eine Gegend mit Tausenden verbrannter Bäume. Sie sind dem bisher größten Feuer in 2011 zum Opfer gefallen, als 17.000 Hektar 1,5 Monate lang lichterloh brannten. Ein sehr trauriges Bild, das diese toten Bäume und Sträucher abgeben! Von unserem Guide erfahre ich außerdem, dass bereits zu Kolonialzeiten (unter anderem durch die UK, Italien, Deutschland) Land durch Brandrodung urbar gemacht wurde. Diese spezielle Baumart ist schwer wieder anzubauen, zumal das Klima immer trockener wird. Der Tourismus startete im Park langsam vor circa 25 Jahren. Seitdem brach fast jedes Jahr ein Feuer aus, das leider immer von Touristen verursacht wurde.

Unser erster Stopp ist der Lake Pehoe, was übersetzt versteckter See heißt. Genauso habe ich mir Patagonien vorgestellt: im Vordergrund ein überirdisch hellblau wirkender See, im Hintergrund gewaltige Berge und dazwischen leuchtend grüne Landzungen. Was für ein wunderbarer Einstieg in Patagonien, das „Land des großen Fußes“ bedeutet. Auf einer Insel in diesem See befindet sich übrigens auch das erste Hotel, das es im Park gab und über eine Brücke erreichbar ist.

Torres del Paine Trekking Lago Pehoe

Als wir zum Startpunkt unserer Wanderung fahren, kommen wir an zwei Guanacos, einer Lama-Art, vorbei. Das eine liegt traurig und erschöpft in einer Mulde am Straßenrand, während es von seinem Gefährten aufmerksam bewacht wird. Es wurde wohl von einem Puma angegriffen, das arme Tier. Im Park leben nämlich circa 60-80 Pumas, die sich von den süßen Fellknäueln ernähren.

Am Ausgangspunkt angekommen, regnet es leicht, und der Wind pfeift mir um die Ohren. Er ist typisch für Patagonien, vor allem im Sommer. Der Weg verläuft durch die Pampa Patagoniens. Immer wieder stoßen wir auf Gerippe und Totenschädel von Guanacos. Wir haben das Jagdgebiet der Pumas betreten. Zum Glück sind diese Tiere scheu und nicht auf Menschen aus! Hier können wir auch einige Kondore beobachten, die über ihrer Beute kreisen. Sie jagen nämlich nicht selbst, sondern ernähren sich von Kadavern.

Torres del Paine Trekking Lama Schädel

Irgendwann gelangen wir auf einen Hügel, von dem wir eine gigantische Aussicht auf die Berge genießen können. Der Wind bläst hier mit 50-100 km/h und zieht mir manchmal sogar leicht die Beine weg. Wieder unten führt der Weg auf den tiefblauen Lago Sarmiento zu, der uns bis zum Ende der Wanderung begleitet. Zum Mittagessen fahren wir in die Nash Patagonia Lodge. Im Vorfeld hatte jeder von uns sein Lieblingssandwich aus einem Menü ausgewählt.

Dazu gibt es Suppe, Snacks und Wein. Auf der Weiterfahrt begegnen uns in einer Lagune Flamingos, Strauße und beim Rio Peine Wasserfall sogar ein Fuchs, der sehr zutraulich ist und gerne für ein Foto posiert. Gigantische Wassermassen stürzen hier in die Tiefe.

Torres del Paine Trekking Flora Fauna

Torres del Paine Trekking Lago Sarmiento

Torres del Paine Trekking Fuchs

Torres del Paine Trekking Wasserfall

Zurück im Camp beziehe ich nun endlich meine Jurte. Ich bin schon so gespannt, denn auf den Bildern sah sie unglaublich toll aus. Ich werde nicht enttäuscht. Die runde Jurte ist mollig warm und wunderschön gemütlich. Von meinem Balkon, dem angeschlossenen Bad und auch dem Wohnraum aus habe ich einen traumhaften Blick auf den Lake Toro und das Paine Massiv. Schon jetzt freue ich mich darauf, mich hier später einzukuscheln.

Torres del Paine Trekking Patagonia Camp Jurte

Torres del Paine Trekking Patagonia Camp Aussicht

Torres del Paine Trekking Patagonia Camp Bett

Vor dem Abendessen probiere ich noch einen Calafate Sour, ein Pisco Sour mit der typischen Beere der Region, der Calafate. Sehr lecker, aber auch sehr stark, wenn man ihn auf nüchternen Magen trinkt. Zum Glück darf ich im Anschluss gleich drei feine Gänge verspeisen. Ich werde mit einem Krebssalat, Rinderfilet und sündigem Dessert verwöhnt.

Torres del Paine Trekking mit 360 Grad Aussicht

Pünktlich um 7:30 Uhr stehe ich für die nächste Torres del Paine Trekking Tour bereit. Dieses Mal soll es ins Gebirge gehen, in das French Valley. Es ist auch Teil des bekannten W-Treks, den du in vier Tagen wandern kannst.

Um zum Startpunkt der Wanderung zu gelangen, müssen wir zunächst mit einem Katamaran den Lago Pehoe überqueren. Doch es kommt anders. Als wir an der Ablegestelle ankommen, wird unserem Guide gesagt, das Boot sei schon voll, obwohl das absolut nicht stimmt, wie wir sehen können. Anscheinend gibt es seit diesem Tag eine neue Regelung bezüglich der Personenanzahl, die aber nicht kommuniziert wurde, und Reservierungen sind für dieses Boot nicht möglich.

Plan B ist aber schnell gefunden: der Lazo-Weber-Trek. Er führt 12 km über den Berg und bietet nach einem steilen Aufstieg einen genialen 360 Grad Ausblick über den Park. Je höher wir kommen, desto stärker wird der Wind. Oben dann bläst er mich fast von der Kante, aber die Aussicht ist wirklich mal wieder atemberaubend! Auf der einen Seite die Anden und türkis leuchtende Seen, die sich durch grüne Wiesen und Wälder schlängeln, auf der anderen das Paine Massiv mit den drei bekannten Hörnern und einem der Türme, die namensgebend für den Torres del Paine Park sind.

Torres del Paine Trekking Lazo Weber

Torres del Paine Trekking Lazo Weber

Danach verläuft der Weg des Torres del Paine Trekkings durch herrlich duftende Wälder, in denen verschiedene wunderschöne Orchideenarten und andere blühende Pflanzen wie das „Mother in law pillow“ (Kissen der Schwiegermutter) gedeihen. Die Blüten letzterer sollen als Tee gut gegen die Höhenkrankheit sein. Da es für mich nach der Tour zur Salzwüste Salar de Uyuni noch einmal nach Bolivien geht, mache ich mir die Taschen sicherheitshalber damit voll. Von unserem Guide erfahre ich außerdem, dass dieser Weg früher von Familien genutzt wurde, um Fleisch von der einen Seite gegen Fisch von der anderen zu tauschen.

Bevor wir uns ein schönes Plätzchen zum Mittagessen suchen, haben wir noch das Glück, drei Kondore beobachten zu können. Von denen war auch schon Melanie in Puerto Williams in Chiles Feuerland begeistert. Diese riesigen Vögel werden bis zu 80 Jahre alt und besitzen eine Flügelspannweite von bis zu 3 Metern. Sie verbringen 6 Monate im Nest und werden dann von ihren Eltern hinausgestoßen. Der Jungvogel, der dann bereits fliegen kann, überlebt – dem es noch nicht gelingt, der war wohl noch zu schwach für diese Welt.

Gestärkt brechen wir nun zum letzten Teil unserer Wanderung auf. Nachdem wir eine Herde Guanacos von Nahem erleben durften, erreichen wir die Laguna Honda. Nach fünf Stunden bergauf und bergab wandern verspüre ich das dringende Bedürfnis, meine Füße in das eiskalte Wasser zu tauchen und mache es dann auch. Ein Traum! Wellen wie am Meer schlagen ihnen entgegen und umspülen sie mit einem herrlich erfrischenden Wohlgefühl.

Torres del Paine Trekking Kondor

Torres del Paine Trekking See

Auf dem Rückweg zum Camp werden wir noch mit einem traurigen Erlebnis konfrontiert: Ein totes Gürteltier liegt auf der Straße, noch ganz warm. Es wurde wohl erst vor kurzem von einem Auto erfasst. Obwohl zwei Tierärztinnen in unserer Gruppe sind, kommt jede Hilfe zu spät. Unser Guide nimmt das arme Tierchen hoch, und wir beerdigen es am Straßenrand, geschützt vor den hungrigen Kondoren.

Nach einer unglaublich leckeren Lachs-Ceviche, Teigtaschen mit roter Beete und einer köstlichen Dessertvariation schlafe ich glücklich in meiner Jurte ein. Wie genial, dass sie in der Mitte ein Fenster besitzt, das den Blick auf einen berauschenden Sternenhimmel frei gibt!

Torres del Paine Trekking Patagonia Camp Dinner

Gletschergigant & ein Tornado im French Valley

Eigentlich hätte ich heute, am dritten Tag, schon abreisen sollen, da ich nur zwei Nächte gebucht hatte. Doch dieser Tag hält eine Überraschung für mich bereit. Nachdem es gestern mit dem French Valley nicht funktioniert hat, darf ich heute noch einmal mit. Und dieses Mal klappt es mit dem Boot. Juhu!

Eine halbe Stunde schippern wir über den türkisen See, mit Blick auf das imposante Bergmassiv. Als wir am anderen Ufer ankommen, liegen erst einmal 7,5 km Wandern vor uns. Sie führen zunächst durch einen tristen Wald aus abgebrannten, silbern scheinenden Bäumen, bis wir in einen herrlich grünen Teil kommen. Danach überqueren wir auf einer wackeligen Hängebrücke einen Fluss und erreichen das Italian Camp.

Torres del Paine Trekking Boot

Torres del Paine Trekking French Valley

Von hier aus geht es 2,5 km bergauf. Es beginnt zu regnen, und wir müssen rauschende Bäche und Flüsse überqueren. Jetzt bloß auf keinen wackeligen Stein treten oder auf einem ausrutschen! Nach 1,5 Stunden schafft es unsere kleine Gruppe aus drei Gästen plus Guide unversehrt, aber erschöpft zum Aussichtspunkt. Schon auf dem Weg hatte der Wald ein paar Mal die Sicht auf den gigantischen Gletscher freigegeben.

Von hier oben breitet sich jedoch sein komplettes Ausmaß vor meinen Augen aus. Tiefe Furchen durchziehen die Eislandschaft. Immer wieder ist ein Krachen zu hören, und wenig später stürzt eine Lawine aus Eis und Schnee in die Tiefe. Was für ein Schauspiel! Auch Melanie war schon von ihrem ersten, dem Garibaldi Gletscher in den Fjorden Feuerlands total begeistert. Eigentlich könnte ich ewig hier sitzen, aber wir wollen versuchen, das Boot um 17:00 Uhr zu erreichen. Der Weg führt uns auf derselben Strecke zurück. Zwischendrin füllen wir noch in einem Bach unsere Wasserflaschen auf. Das frische Quellwasser schmeckt köstlich, wahrscheinlich das beste, das ich je getrunken habe!

Torres del Paine Trekking French Valley Gletscher

Torres del Paine Trekking French Valley Glacier

Torres del Paine Trekking Wasser

Als wir so, nichts Böses ahnend, auf unserem Rückweg sind, kommt hinter uns plötzlich Wind auf. Danach ein Geräusch wie eine Lawine, ganz nah, nur dass wir uns ja schon wieder im nicht mit Schnee bedeckten Teil befinden. Was kann das nur sein? Der Wind wirbelt Blätter und Sand auf, kleine Äste fliegen durch die Luft. Beginnend am Fuß der Berge steuert er hinter uns auf den See zu. Dort wirbelt er das Wasser kreisförmig auf, bis er sich schließlich legt. Ein kleiner Tornado, mitten in den Bergen – verrückt, und ein Glück, dass wir uns nicht komplett in seiner Schneise befanden!

Nach 6,5 Stunden Wanderung sind wir rechtzeitig am Boot, allerdings ohne meine Daunenjacke, die mir aus dem Rucksack gefallen sein muss. Wenn du demnächst im Torres del Paine sein solltest und eine schwarze findest, lasse es mich bitte wissen!

Zurück im Camp werde ich mit dem typischen Lamm vom Grill und weiteren Köstlichkeiten verwöhnt. Zweimal in der Woche findet das Barbecue, begleitet von chilenischem Wein, statt. Was für ein genussreicher Abschluss meines Aufenthalts hier!

Nachhaltigkeit im Patagonia Camp in Chile

Das Patagonia Camp wurde 2007 aus dem Holz dort wachsender Bäume erbaut. 20 weit auseinander liegende, intime Jurten bilden das Camp. Diese Bauweise wurde gewählt, da sie dem patagonischen Wetter am besten standhält und von Nachhaltigkeit geprägt ist. Die Lage der Jurten ist einmalig: unmittelbar am See, umgeben von Wald, fügen sie sich harmonisch in die Natur ein und ergeben ein vollkommenes Bild.

Das Camp verfügt über ein eigenes Wasseraufbereitungssystem. Das Wasser kommt direkt aus dem Toro See, wird anschließend mit natürlichen Bakterien versetzt und kann dann direkt aus dem Hahn getrunken werden. Das Abwasser wird durch natürlichen Torf aus dem umliegenden Wald gefiltert und dann in eine Lagune geleitet.

Alle Rohre wurden gehängt, um nicht in Kontakt mit der Natur zu kommen. Abfälle aus der Küche werden kompostiert, und das Sandwich, das du jeden Tag zum Mittagessen kriegst, wird nicht in Folie, sondern in wiederverwendbare Tupperdosen verpackt. Die Beautyprodukte, die in den Jurten ausliegen, riechen super lecker, sind angenehm auf der Haut und vor allem bio. Deshalb sollten sie auch verwendet werden, um den Abwasserprozess nicht zu gefährden.

Zur Auswahl stehen im Camp circa 20 Exkursionen, von denen einige exklusiv nur dort angeboten werden. Neben Wanderungen zählen Kajaken (eine super Tour habe ich kurz vorher in Araukania in Chile gemacht), Stand-Up Paddling oder Reiten (kannst du ebenfalls wunderbar in der Atacamawüste in Chile machen) dazu. Ein paar Tage reichen also eigentlich nicht ansatzweise für diese bezaubernde, überaus reizvolle Region aus!

Wenn du das Besondere suchst, ist das Patagonia Camp definitiv eine „Unique Nature Experience“. Hinzu kommen das liebevolle, aufmerksame Team, das dich wie zuhause fühlen lässt, und die intime, private Atmosphäre. Und pinke Sonnenaufgänge wie dieser!

Torres del Paine Trekking Patagonia Camp Sonnenaufgang

Warum würdest du gerne einmal nach Patagonien in Chile reisen? Ich freue mich sehr über deinen Kommentar!

Fernweh Reiseblog




Vielen Dank an Patagonia Camp für die Unterstützung. Meine Beurteilung ist wie immer meine eigene und wurde nicht beeinflusst.

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