Europa, Österreich

Zell am See-Kaprun Österreich – Winterparadies nicht nur zum Skifahren

4. April 2017
Zell am See-Kaprun Oesterreich Kitzsteinhorn Gipfel

Neben dem Meer und Sand unter meinen Füßen sind die Berge für mich ein Ort, der mich jedes Mal aufs Neue berührt und glücklich macht. Erst vor Kurzem durfte ich im Torres del Paine Nationalpark und zum Rainbow Mountain in Peru wandern und wunderbare Landschaften und Ausblicke genießen. Aber auch direkt vor meiner Haustür befindet sich ein traumhaftes Stück Natur: die Region Zell am See-Kaprun in Österreich.

Vor allem Ski- und Snowboardfahren sind hier aufgrund des Gletschers beliebt, was bis circa Mai und ab Oktober möglich ist. Da ich jedoch schon seit Jahren nicht mehr auf Skiern gestanden bin und die Natur zudem viel lieber in Ruhe genieße und nicht mit vielen Menschen teilen möchte, entscheide ich mich für das Alternativprogramm – meiner Meinung nach 1.000 Mal spannender und intensiver als Skifahren!

Anreise & herrlich schlafen in Zell am See-Kaprun

Von München dauert es nur gut zwei Stunden mit dem Auto bis nach Zell am See/Kaprun. Es ist ein trüber, leicht verregneter Tag im März. Doch als ich am frühen Nachmittag in meinem Hotel Tauern Spa in Kaprun ankomme, scheint die Sonne, und der Himmel zeigt sich in strahlendem Blau. Ich Glückskind! Begrüßt werde ich mit einem leckeren Shot aus Blutorangensaft und beziehe anschließend mein hübsches Zimmer mit herrlichem Blick auf die Berge. Auf meinem Balkon nehme ich die wunderbare Ruhe und klare österreichische Bergluft tief in mich auf. Die Vögel zwitschern vergnügt, und ich fühle mich schon nach wenigen Minuten wie zuhause.

Das Tauern Spa verfügt, wie der Name schon vermuten lässt, über einen Spa Bereich. Hier handelt es sich aber nicht um zwei, drei Saunen, sondern eine Wellnessoase auf mehr als 20.000 m2! Saunen, Dampfbäder, Pools und behagliche Ruheräume lassen gestresste Großstädter alle Gänge runterfahren. Hotelgäste kommen außerdem in den Genuss des privaten Spabereichs mit zwei Panoramasaunen, einem Dampfbad, Skylinepool und Außenbereich mit Liegen.

Zell am See-Kaprun Oesterreich Tauern Spa Ausblick

Und genau hier lasse ich mir erst einmal die wunderbar warme Sonne ins Gesicht scheinen. Es ist erst März, doch sie wärmt bereits so sehr, dass ich sogar schon im Bikini hier liegen kann. Ich könnte mir gerade nichts Schöneres vorstellen! Nach einem Honigaufguss und einem Sprung ins kalte Wasser ziehe ich mich mit einem warmen Kräutertee und ein paar Nüssen in meinen Lieblingsruheraum zurück. Bist du schon einmal in den Genuss eines warmen Wasserbetts gekommen? Ein absoluter Traum zum Entspannen, sag ich dir!

Das Abendessen fällt reichlich aus. 5 köstliche Gänge inklusive Suppe und frischem Salat vom Buffet erwarten mich – und der beste, zarteste Tafelspitz meines Lebens!

Zell am See-Kaprun Oesterreich Tauern Spa Tafelspitz

Besteigung des Kitzsteinhorn Gipfels – mein erster 3.000er

Begeistert über die 11 verschiedenen Brotsorten, Pancakes, Müslivarianten und den frisch gepressten Karotten-Apfel-Saft schlage ich am nächsten Morgen beim vielfältigen und verführerischen Frühstücksbuffet zu. Ich muss mich stärken, denn heute steht mal wieder eine Gipfelbesteigung an. Nach der in Araukania Chile und im Torres del Paine Chile Nationalpark meine dritte in diesem Jahr. In diesem Fall handelt es sich jedoch um einen Gletscher: das Kitzsteinhorn. Bereits der Perito Moreno Gletscher in Argentinien hat mich umgehauen, aber der Ausblick vom Gipfel des Kitzsteinhorns wird mich sicherlich mindestens genauso begeistern!

Mit meinem Bergführer Heli fahre ich mit der Gondel den Berg hinauf, über die höchste Seilbahnstütze für Personentransport weltweit, die es seit 1970 gibt. Auf 3.029 Höhenmetern angekommen, geht es an die Vorbereitung der Besteigung. Ein kalter Wind pfeift uns um die Ohren. Hier oben herrscht tiefster Winter. Ich werde mit einem Klettergurt und Steigeisen ausgestattet und über ein Seil mit Heli verbunden. Beim Blick nach oben wird mir schon ein bisschen mulmig, aber ich freue mich auf die Herausforderung.

Zell am See-Kaprun Oesterreich Kitzsteinhorn Gipfel Besteigung

Bei bis zu 50% Steigung taste ich mich langsam den verschneiten Berg hinauf. Die vorhandenen Sicherungsseile sind zwar mit dicken Eiskristallen überzogen, aber stärken mein Vertrauen, diesen nicht einfachen Aufstieg zu meistern. Nach circa einer Stunde haben wir die gut 200 Höhenmeter hinter uns gebracht, und ich stehe am Gipfelkreuz des 3.202 Meter hohen Kitzsteinhorns. Was für eine atemberaubende, magische und berauschende Aussicht! Auf der einen Seite die mächtigen Hohen Tauern – die höchsten Berge Österreichs – auf der anderen die Pinzberger Grasberge, wo die Kühe bis auf 2.000 Metern gehalten werden, dahinter die Kalkalpen bzw. das Steinerne Meer und unter mir ein türkisblau leuchtender Stausee — diese Region steckt voller bezaubernder Kontraste!

Zell am See-Kaprun Oesterreich Kitzsteinhorn Gipfel

Zell am See-Kaprun Oesterreich Kitzsteinhorn Gipfel

Zell am See-Kaprun Oesterreich Kitzsteinhorn Besteigung Aussicht

Eigentlich könnte ich hier Stunden verbringen, aber irgendwann ist es Zeit für den Abstieg. Die Ski- und Snowboardfahrer unter uns sehen wie kleine, emsige Ameisen aus, die ich gern länger beobachten würde, aber ich konzentriere mich auf meine Schritte, langsam und vorsichtig, einer nach dem anderen. Und so schaffe ich es unbeschadet und mit einem breiten, glücklichen Grinsen wieder nach unten, auf die Aussichtsplattform Top of Salzburg.

Im Gipfel Restaurant, dem höchstgelegenen Restaurant Salzburgs, stärken wir uns anschließend mit österreichischen Spezialitäten. Es ist Teil der „Via Culinaria – Genussweg für Hüttenhocker“ im Land Salzburg. Ich entscheide mich für Kaiserschmarrn mit hausgemachter Almkräuter-Ingwer-Limonade. Ein Hochgenuß! Der Wildburger soll übrigens auch vorzüglich sein.

Als Nächstes steht die Erkundung der Gipfelwelt 3.000 und der Nationalpark Galerie auf dem Programm. Ein 360 Meter langer Stollen führt durch das Innere des Kitzsteinhorns und informiert u.a. über den Gletscher und den Nationalpark Hohe Tauern. Besonders interessant finde ich, dass der Gletscher durch den Druck im Erdinneren stetig wächst und die dadurch verursachten knackenden Geräusche aus dem Inneren über ein Grammophon hörbar gemacht werden. Am Ende des Tunnels werde ich mit einer weiteren, gigantischen Aussicht auf den Nationalpark verzaubert.

Zell am See-Kaprun Oesterreich Gifpelwelt 3000

Zell am See-Kaprun Oesterreich Kitzsteinhorn Gipfel

Sogar ein kleines Kino befindet sich hier oben, das einen beeindruckenden Film über die Region zeigt, den du auf keinen Fall verpassen solltest. Er hat mich mit seinen fantastischen Aufnahmen, die den Einklang von Mensch und Natur in allen vier Jahreszeiten zeigen, wirklich berührt und mir wieder einmal vor Augen geführt, in was für einer schönen Welt wir doch leben.

Wanderung mit einem flauschigen Lama

Ein neuer Tag in Zell am See-Kaprun, und ich fühle mich wunderbar. Dank des Saunagangs am Abend zuvor habe ich auch keinen Muskelkater. Jetzt muss es nur noch die Sonne durch den dicken Nebel schaffen, der aber definitiv auch seinen Zauber hat.

Für heute steht eine besondere Wanderung an, und zwar mit einem Lama. Ich hatte erst vor ein paar Wochen Lamas in Peru und Chile gesehen, aber Lamas in Österreich, mitten in den Bergen?! Burgi widmet ihre ganze Liebe Lamas und Alpakas und besitzt mittlerweile eine kleine Herde dieser lustigen Tiere. Besonders ein altes mit extremem Unterbiss lässt mich schmunzeln. Nachdem ich von ihr viel über die einzelnen Lamas und ihre Eigenheiten erfahren habe, starten wir unsere kleine Tour in der Umgebung von Kaprun. Die Lamas werden gern bei Mehrtageswanderungen und längeren Strecken eingesetzt, sind aber auch bei kurzen Spaziergängen ideal, um den Rucksack zu tragen.

Zell am See-Kaprun Oesterreich Lamawanderung

Auf unserem Ausflug darf ich die „Coole Socke“ führen, die zwischendrin aber gar nicht so cool, sondern eher witzig drauf ist und auch mal einen kleinen Satz zur Seite macht. Aber zum Glück bleibt er trotzdem immer brav an meiner Leine und möchte sogar zwischendrin auch mal Kuscheln. Angst, bespuckt zu werden, habe ich nicht, denn Lamas spucken nur bei Missachtung der Rangfolge, wie ich von Burgi erfahre.

Wir spazieren am Haus des Almsenners vorbei, der u.a. für die Milch aus der Region Werbung macht. An seinem langen, grauen Bart erkenne ich ihn auf Anhieb, und für mich ist er ohne jeden Zweifel der Prototyp eines Almbewohners. Urig und authentisch! Nach einer Stunde ist unsere kleine Wanderung dann auch schon zu Ende, und ich erhalte als Erinnerung einen Lamaführerschein und eine Fellprobe.

Traum-Aussichten beim Paragliding über Zell am See-Kaprun

Nach dieser entspannten tierischen Begegnung ist es nun Zeit für einen Adrenalinrausch: Paragliding von der Schmittenhöhe! Mit der stylischen Porsche Gondel lassen mein Pilot Lois und ich Zell am See unter uns und fahren hinauf auf den verschneiten Berg. Die Sonne scheint, die Aussicht könnte nicht besser sein, und meine Vorfreude steigt!

Schneller als mir eigentlich lieb ist, breitet Lois den Schirm auf dem Schnee aus, die Gurte werden angelegt, die Helme aufgesetzt, und wir sind bereit. Drei, vier schnelle Schritte, bis sich der Schirm hebt, ich den Druck nach hinten spüre, wir losrennen und ich schon den Boden unter den Füßen verliere. Ganz sanft heben wir ab! Dieser Moment ist für mich der spannendste und faszinierendste zugleich. An einem Schirm hängend, schweben wir nun über den Berg. Die Ruhe ist einfach wunderbar, nur das Rauschen des Winds ist zu hören. Weiße, in der Sonne glitzernde Schneeflächen wechseln sich mit grünen Wäldern ab. Während wir oben im Winter gestartet sind, herrscht unten schon Frühling.

Rechts von uns erheben sich die schneebedeckten, imposanten Berge der Hohen Tauern inklusive Kitzsteinhorn, während wir auf Zell am See mit seinem dunkelblauen See zusteuern. Da ich anscheinend etwas (zu) entspannt aussehe, bringt Lois mit der Frage „Magst du Achterbahn fahren?“ wieder etwas Schwung in den Flug. Spiralenförmig drehen wir uns nun um die eigene Achse, bis ich gar nicht mehr weiß wo rechts und links oder oben und unten ist und sich ein leichtes Schwindelgefühl in meinem Körper ausbreitet. Was für ein Spaß aber trotzdem!

Zell am See-Kaprun Oesterreich Paragliding Schmittenhöhe

Zell am See-Kaprun Oesterreich Paragliding Aussicht

Nach der sanften Landung auf einer kleinen Grünfläche unterhalb der Gondelstation stehe ich nach knapp 20 Minuten Flug wohlbehalten wieder mit beiden Beinen auf festem Boden. Glücklich, mit einem Strahlen im Gesicht, aber auch einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend.

Ein solcher Fallschirmsprung kostet 120 Euro, und ich kann dir dieses Erlebnis nur wärmstens ans Herz legen. Auch wenn du etwas Angst davor hast, du wirst mit gigantischen, unvergesslichen Bildern aus der Vogelperspektive belohnt und es nicht bereuen!

Mystische Winterwanderung & Spaziergang durch Zell am See

An meinem dritten Tag in Zell am See-Kaprun spielt das Wetter leider nicht so mit. Ich habe eine Winterwanderung auf der Schmittenhöhe geplant, aber leider versperrt uns dicker Nebel die Sicht ins Tal. Auf der anderen Seite hat diese mystische Stimmung aber auch ihren ganz besonderen Reiz!

Die Schmittenhöhe lässt nicht nur Skifahrerherzen höher schlagen, auch Kunstinteressierte können hier etwas Außergewöhnliches erleben. 30 Kunstwerke sind über den Berg verteilt, wie zum Beispiel ein überdimensionaler Tisch mit Stühlen, an dem wir im Rahmen unserer Wanderung vorbeikommen. Circa 1,5 Stunden stapfen wir durch den Schnee, bis wir schließlich zur Schmittenhöhe gelangen. Mehr als eine weißgraue Suppe ist heute leider nicht zu sehen, doch bei klarer Sicht hätte man von hier Blick auf 300 Berge! Glücklicherweise konnte ich diesen beeindruckenden Anblick aber schon am Vortag bei meinem Paragliding Flug genießen.

Zell am See-Kaprun Oesterreich Nebel

Zell am See-Kaprun Oesterreich Schmittenhöhe Kunst

Zell am See-Kaprun Oesterreich Schmittenhöhe Strandkorb

Unten im Tal hat es jedoch schon wieder aufgeklart, und ich habe noch etwas Zeit für die Erkundung des kleinen, beschaulichen Örtchens Zell am See. Die besten lokalen Produkte, darunter Mozartkugeln, Marmeladen oder Käse gibt es bei Lumpi Feinkost in der Fußgängerzone. Ein Paradies für Schleckermäuler wie mich! Einen richtig guten Kaffee hole ich mir bei Cupstars, ein cooler Container aus Holz, der so auch in Berlin stehen könnte.

Zum Mittagessen zieht es mich in den Steinerwirt. Klassische österreichische Küche wird hier serviert, und so lasse ich es mir mit der Wahl von Pinzgauer Kasnocken (Kässpätzle) noch einmal richtig gut gehen. Das Gasthaus mit Tradition verfügt übrigens über einen beeindruckenden Weinkeller aus dem 14. Jahrhundert, in dem auch Weinverkostungen stattfinden.

Zell am See-Kaprun Oesterreich Steinerwirt

Bevor ich die Heimreise antrete, mache ich noch einen Abstecher an den See und genieße die friedliche Stimmung dort. Enten ziehen ihre Kreise auf dem Wasser, die teils schneebedeckten Berge im Hintergrund spiegeln sich in seiner glatten Oberfläche. Ein wunderschönes Bild zum Abschluss, bevor ich meine Heimfahrt antrete!

Zell am See-Kaprun Oesterreich Innenstadt

Zell am See-Kaprun Oesterreich See

Kennst du die Region Zell am See? Was hast du dort erlebt? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Fernweh Reiseblog




Vielen Dank an Zell am See-Kaprun Tourismus für die Unterstützung meiner Reise und die schönen Erlebnisse, die ich dort erfahren durfte. Meine Meinung ist wie immer meine eigene und wurde in keinster Weise beeinflusst.

2 Comments

  • Reply Hubert 4. April 2017 at 20:09

    Hui, da hast Du ja noch so einiges mehr erlebt als ich! Gleitschirmfliegen reizt mich ja auch noch sehr – aber mit einer Achterbahn dabei? Da bekomme ich noch mehr Panik ;)

    Was mir noch sehr gut gefallen hatte, waren die Hochgebirgsstausseen! Und eine gemütliche Schifffahrt, aber das ist eher eine Sommergeschichte.

    Ich hab mehrere Beiträge über Zell-Kaprun geschrieben, ich pack mal den mit der Zusammenfassung als Website rein – kannst natürlich, wenn Du das nicht magst, einfach auf den blog selbst runterkürzen :)

  • Reply Nina 7. April 2017 at 12:14

    Hi Hubert,
    ja, ich war auch total überrascht, was es dort noch alles zu erleben gibt! Und für mich war es einfach perfekt, weil ich nicht mehr so gerne die Pisten auf Skiern runtersause. Die Achterbahn kannst du natürlich auch weglassen und ganz gemütlich runterschweben. Auf jeden Fall ein ganz besonderes Gefühl. Ich würde sagen du solltest dich zumindest vielleicht einmal im Leben trauen. So hast du einen Grund, nochmal dorthin zu fahren. :)
    Einen dieser Stauseen hab ich auch gesehen. Wunderschön, wirklich!
    Liebe Grüße,
    Nina

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