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Buchrezension: Der Bär und die Nachtigall von Katherine Arden

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Der Bär und die Nachtigall stand ursprünglich gar nicht auf meiner Lese-Wunschliste für dieses Jahr. Weder hatte ich je von den Büchern (insgesamt wird es drei geben, die Winternacht-Trilogie) gehört, noch kannte ich die Autorin Katherine Arden. Das änderte sich schlagartig, als meine liebe Freundin Fredi mich eines eiskalten und verschneiten Wintermorgens im Februar ganz aufgeregt anrief und mir von den Büchern in den höchsten Tönen vorschwärmte. Ich müsse sie aber jetzt sofort lesen, denn die Geschichte spiele in den winterlichen Wäldern des Hohen Nordens, was ja perfekt zum gerade vorherrschenden Wetter passe.

Nach unserem Telefonat war ich dann so neugierig, dass ich mir sowohl Der Bär und die Nachtigall, als auch gleich den zweiten Teil Das Mädchen und der Winterkönig sofort bestellt habe. Soviel schon jetzt: Die Erzählung um die junge Wasja Wladimirowitsch strotzt nur so von düsterer Wintermagie und gehört schon jetzt zu meinen liebsten Büchern des Jahres!

Die ersten beiden Teile der Winternacht Trilogie

Weit im Norden von Rus, wo der Wind kalt bläst und der Schnee fast das ganze Jahr fällt, erzählt die alte Amme Dunja den Kindern des Landadeligen Pjotr Wladimirowitsch Geschichten über Zauberei, magische Wesen und den Winterkönig mit den frostblauen Augen. Verbotene Geschichten über eine uralte Magie. Doch für die junge, wilde Wasja sind dies weit mehr als Märchen. Denn sie allein kann die Geister sehen, die ihr Zuhause beschützen. Und sie allein spürt, dass sich in den Wäldern eine dunkle, gefährliche Macht erhebt …

Quelle: Amazon

Rezension: Der Bär und die Nachtigall von Katherine Arden

Der Bär und die Nachtigall ist definitiv ein Buch, das du während der kalten Wintermonate lesen solltest. Am besten mummelst du dich dazu auf deinem Lieblings-Lese-Sessel in eine kuschelige Decke, eine dampfend heiße Schokolade und leckere Knabberkekse neben dir auf einem kleinen Beistelltisch. Im Idealfall knistert dann noch ein warmes Feuer im Kamin, während draußen vor der Tür der erste Schneesturm des Winters tobt. Denn das ist das perfekte Setting, um in die magische Geschichte der Winternacht Trilogie rund um Wasja und den Winterkönig einzutauchen.

Wasja hat eine ganz besondere Gabe. Sie kann die uralten Wesen, Geister und Dämonen sehen, die die Häuser der Dorfbewohner von Lesnaja Semlja, sowie die mächtigen Wälder drumherum beschützen. Für alle anderen Personen in Wasjas kleinem Dorf, dem Land des Waldes, was Lesnaja Semlja auf deutsch übersetzt bedeutet, sind diese unmenschlichen Kreaturen lediglich ein alter Glauben aus überlieferten Sagen und Mythen der Vergangenheit, für Wasja aber sind sie real. Während das Vertrauen der Dorfbewohner in die beschützenden Geister unter dem Druck der christlich-frommen Anna Iwanowa, der neuen Frau von Wasjas Vater, immer mehr schwindet, und damit auch die beschützenden Kräfte der Geister selbst, liegt es einzig und allein in Wasjas Händen, das Dorf vor der dunklen Gefahr zu bewahren, die sich in den eisigen Wäldern von Rus unweigerlich zusammenbraut. Vor dem Bären, der bald aus seinem Schlaf erwacht …

Pünktlich zum Winterbeginn kommt der dritte und letzte Teil

Der Schreibstil & die greifbare Stimmung der Geschichte

Es war Spätwinter in Nord-Rus und der Himmel düster vom Niederschlag, der weder Regen noch Schnee war – Schon der erste Satz des Buches zieht dich wie ein Sog in die düster-magische Winterstimmung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Mit einem Schlag bist du Wasja, das Mädchen mit den wilden schwarzen Haaren und großen grünen Augen, das sich in Gesellschaft des Domowoi, des Wasila und der Waldgeister wie der Rusalka wohler fühlt als unter ihresgleichen, die sie wegen ihrer Wildheit und offensichtlichen Andersartigkeit hinter ihrem Rücken oft als Hexe beschimpfen. In den dunklen Wäldern von Rus begegnest du dem Winterkönig höchstpersönlich und spürst am eigenen Körper, wie der klirrend kalte Nordwind das Atmen fast unmöglich macht. Verstehst du jetzt, warum du das Buch UNBEDINGT im Winter lesen solltest!?

Er legte seine Finger um Lisas Hals, beugte sich heran und flüsterte in ihr Ohr: Wird dir nun warm, meine Taube? Doch Lisa konnte nicht antworten, denn sie war in dem Moment gestorben, als er sie berührte und lag erfroren im Schnee.

Katherine Arden – der bär und die nachtigall

Sehr faszinierend finde ich auch, wie geschickt und kunstvoll Katherine Arden die Geschichte von Wasja rund um die russischen Sagen und Legenden aus längst vergangenen Zeiten webt. Der Feuervogel, der Winterkönig, die Hausgeister – an all diese Kreaturen und Geschichten glaubten in früheren Zeiten nicht nur die Dorfbewohner im Buch, sondern auch die echte Bevölkerung dieser abgelegenen Regionen im Norden von Russland. Der Zauber dieser uralten Erzählungen wirkt beim Lesen von Der Bär und die Nachtigall wirklich greifbar. Genau wie der Konflikt zwischen dem Christentum und dem Anbeten heidnischer Götter, wie der Glauben an eben jene magische Mythengestalten durch das Christentum bezeichnet wird. Nicht nur einmal hätte ich Anna, Wasjas neue Mutter, und ihren fanatischen Priester direkt in der Luft zerreißen können, so sehr hat mich dieser Konflikt manchmal aufgewühlt. Ich bin gespannt, ob es dir damit genauso geht.

Die düstere Welt voller Wintermagie, die Katherine Arden da in Der Bär und die Nachtigall erschaffen hat, lässt mich sehr nach einer Reise in den Hohen Norden sehnen. Ich war zwar noch nie in Russland, aber diese Geschichte katapultiert vor allem den nördlichen Teil dieses faszinierenden Landes direkt auf meine Bucketliste. Eine solch klirrende Kälte im ewigen Schnee und Eis habe ich bis jetzt nur zweimal erlebt: Einmal während einer Tour mit dem Hundeschlitten durch Lappland, wo das Thermometer in den eisigen Polarnächten auf unter -30 Grad fiel. Das zweite Mal ein paar Jahre später auf der Insel Brown Bluff in der Antarktis, wo von einer Minute auf die andere das Wetter ganz plötzlich umschlug und ein eisiger Schneesturm aufzog, der das Wasser rund um unser Expeditionsschiff in Sekundenschnelle zufrieren ließ. Man konnte tatsächlich dabei zusehen, wie sich die komplette Wasseroberfläche binnen kürzester Zeit in eine geschlossene Eisdecke verwandelte, der Wahnsinn!

Meine Meinung zu Der Bär und die Nachtigall von Katherine Arden

Ich liebe, liebe, liebe die Stimmung, die beim Lesen der Bücher aufkommt. Ja, sie ist recht düster, aber auf eine wirklich magische Art und Weise. Und nicht zuuu düster. Gerade richtig, finde ich. Vor allem, wenn man es drinnen schön gemütlich hat. Die Idee, ein Märchen rund um alte Sagen und Legenden zu erzählen, ist zwar nicht ganz neu, aber die Welt, die Katherine Arden in diesen Büchern erschafft, ist trotzdem eine ganz Besondere. In vielen Fantasy Geschichten trifft man ja immer wieder auf altbekannte Figuren wie Feen, Kobolde, Zwerge & Co., was ab einem gewissen Punkt dann einfach nichts Neues mehr ist. In der Winternacht Trilogie aber machst du die Bekanntschaft von ganz neuen fantastischen Wesen, was ich absolut toll finde!

Es ist Zeit, sagte der Frostdämon. Diesmal war kein Schlitten in ihrem Traum, keine Sonne und keine klare Winterluft. Dunja stand inmitten eines düsteren, flüsternden Waldes, in dem irgendwo zwischen den Bäumen ein noch tieferer Schatten lauerte.

KATHERINE ARDEN – DER BÄR UND DIE NACHTIGALL

Wasja ist von Beginn der Geschichte an ein sehr starker Charakter. Alles was mich an Feyre in Das Reich der Sieben Höfe gestört hat, ist Wasja definitiv nicht. Sie geht als unglaublich starke Persönlichkeit kerzengerade den Weg, von dem sie spürt, dass sie ihn gehen muss, um das Leben ihrer Familie und der Dorfbewohner zu retten. Es macht wirklich Spaß, Schritt für Schritt mitzuerleben, wie Wasja ihre besondere Gabe, und die große Verantwortung, die mit dieser kommt, zu verstehen und zu nutzen lernt.

Auch alle anderen Personen wie die alte Amme Dunja, die Stiefmutter Anna Iwanowa, Wasjas Vater Pjotr und ihre Geschwister werden (fast) alle sehr gut beschrieben. Ihre Gedanken und Handlungen sind nachvollziehbar und machen Sinn. Vor allem auch der Winterkönig ist für mich ein sehr faszinierender Charakter. Von ihm hätte ich schon in Der Bär und die Nachtigall gerne mehr lesen mögen. Das ändert sich aber bereits im zweiten Teil, wie bereits der Titel Das Mädchen und der Winterkönig erwarten lässt. Sei also gespannt!

Der Baer und die Nachtigall Katherine Arden

Die vielen russischen Namen erschweren den Einstieg

Was mir den Einstieg in die Geschichte trotzdem recht schwer gemacht hat, sind die vielen russischen Namen. Zum Beispiel: Wasja heißt mit vollem Namen eigentlich Wasilisa Wladimirowitsch, wird aber von ihrem Kindermädchen Dunja immer mit Wasotschka gerufen, ein Kosename. Das sind schon mal drei total ähnlich klingende Namen, die mir aufgrund der fremden Sprache einfach nicht so geläufig sind, und mir deswegen nicht leicht von der imaginären Zunge gehen. Und dann heißt der Geist, der in den Ställen die Pferde und das Vieh beschützt, auch noch Wasila. Oh Mann. Dazu kommen noch zahlreiche schwierige russische Nachnamen und die Namen von Wasjas Familienmitgliedern, auch immer wieder in zwei oder drei verschiedenen Formen mit Kosenamen.

Boah, manchmal habe ich es echt nicht mehr auf die Reihe bekommen, von welcher Person gerade die Rede ist. Sobald du aber etwa ein Drittel der Geschichte gelesen hast, wird es einfacher. Und spätestens ab dann kannst du das Buch auch wirklich nicht mehr aus der Hand legen, so spannend wird die Handlung. Zur Not gibt es am Ende des Buches auch noch ein kleines Glossar, das die wichtigsten russischen Namen erklärt.

Die Winternacht Trilogie: drei Bücher geballte Wintermagie

Im Moment sind die ersten zwei Bände der Winternacht Trilogie in deutscher Sprache erhältlich, der dritte Band muss erst noch übersetzt werden und erscheint am 9. November 2021:

Teil 1: Der Bär und die Nachtigall / 432 Seiten
Teil 2: Das Mädchen und der Winterkönig / 480 Seiten
Teil 3: Die Hexe und der Winterzauber / 496 Seiten

Auch im zweiten Teil begleitest du Wasja auf ihrer magischen Reise durch die ewige Kälte von Rus, diesmal sogar bis nach Moskau an den Hof des Großfürsten. Es bleibt spannend, das kannst du mir glauben. Nachdem ich die ersten beiden Bände der Winternacht Trilogie mit großer Begeisterung verschlungen habe, warte ich nun schon sehnsüchtig auf den November. Ein perfekter Monat für die Veröffentlichung, wenn bei uns so langsam wieder die Kälte des nahenden Winters einkehrt, und man sich ohne schlechtes Gewissen mit einem Buch in der Hand in seine Lieblingsecke kuscheln kann. Und vielleicht tanzen dann ja auch schon die dichten Flocken des ersten Schneesturms vor deinem Fenster!


Meine Bewertung: 5 / 5



*Die Bücher für meine Rezension von Der Bär und die Nachtigall wurden von mir selbst aus eigener Tasche bezahlt. Es handelt sich nicht um Rezensionsexemplare. Die Links zu den Büchern auf Amazon sind Werbelinks. Kaufst du über diese, bekomme ich eine kleine Provision, während sich für dich rein gar nichts am Preis ändert. Vielen Dank für deine Unterstützung!

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Hey, ich bin Melanie. Ich liebe das Reisen und diese ganz besonderen Gänsehautmomente einfach über alles. Außerdem bin ich süchtig nach Vitamin-Sea, Kokosnüssen und dem Duft von frischem Sommerregen!

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