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München Tipps: diese 4 spannenden Viertel dürfen bei deinem Städtetrip nicht fehlen

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Hinter die Kulissen des berühmten Neuen Rathauses blicken, sündige Törtchen am Viktualienmarkt vernaschen, französisches Flair in Haidhausen erleben oder zwischen Containern, Graffitis und Hochbeeten einen Sundowner genießen, Münchens vielgestaltige, individuell geprägte Viertel machen einen Bummel durch die Stadt höchst abwechslungsreich und immer wieder aufs Neue spannend. Auch meiner Hood Schwabing solltest du unbedingt einen Besuch abstatten, denn hier kannst du auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten wandeln und in der Oase des Englischen Gartens die Ruhe abseits des Trubels genießen.

Als echte Münchnerin habe ich in diesem Beitrag die besten München Tipps für meine vier Lieblingsviertel zusammengestellt. Im Rahmen meiner Recherchen nahm ich an zwei Viertelliebe Führungen teil, bei denen ich unglaublich spannende Informationen erhielt und die ich dir wirklich sehr empfehlen kann. Du wirst die Stadt mit ganz anderen Augen wahrnehmen! Abgesehen von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten dürfen natürlich auch Geheimtipps für Cafés, Restaurants und Geschäfte nicht fehlen. Los geht’s!

München Tipps: berühmte Sehenswürdigkeiten und versteckte Ecken in der Altstadt

Die Münchner Altstadt ist wohl das bedeutendste Viertel für Touristen aus aller Welt. Die Kaufinger Straße für ausgedehnte Shoppingtouren, der Odeonsplatz, die Oper, der Hofgarten, der Viktualienmarkt und natürlich der Marienplatz mit dem Neuen Rathaus, es gibt hier unglaublich viel zu besichtigen. Neben einem Spaziergang entlang dieser bekannten Sehenswürdigkeiten habe ich aber noch weitere, außergewöhnliche München Tipps für dich, die nicht jeder kennt – bis vor meiner Recherche noch nicht einmal ich selbst.

Must-Do: eine Rathausführung und Turmauffahrt

Wohl alle Besucher fotografieren das beliebteste Motiv Münchens, das Neue Rathaus, doch nur wenige fragen sich, wie sieht das bewundernswerte neugotische Gebäude wohl von innen aus? Seit 2014 werden Führungen durch die heiligen Flure des Bürgermeisters angeboten, die ich wirklich uneingeschränkt jedem empfehlen kann. Wir starten mit einem kurzen Abstecher in das Alte Rathaus und den imposanten Tanzsaal. Hier wurde mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 Geschichte geschrieben, als Adolf Hitler und Josef Goebbels im alten Rathaussaal die systematische Verfolgung jüdischer Bürger vorantrieb.

Zurück im Neuen Rathaus folgt ein Wow-Moment dem anderen. Durch die gewölbeartigen Gänge schreiten wir vorbei an kunstvollen Buntglasfenstern in den zweiten Stock.

Der große Sitzungssaal beeindruckt bereits, doch der kleine mit seinen aufwändigen Holzschnitzereien, Lüstern und Wandmalereien, macht einfach nur sprachlos.

Übrigens kannst du hier an den grundsätzlich öffentlichen Sitzungen des Stadtrats und seiner Ausschüsse auf der historischen Galerie teilnehmen. Teil der Führungen ist auch die faszinierende Juristische Bibliothek, ein Original aus dem Jahr 1905. Am Ende steht der Rathausbalkon auf dem Programm, den du vermutlich auch aus den Medien von der Meisterfeier des FC Bayern kennst. Im Untergeschoss des Rathauses befindet sich übrigens eines der wohl schönsten Gewölberestaurants der Welt, der Ratskeller mit einmaligem Ambiente und erstklassiger Küche, den nicht nur Touristen, sondern auch viele Münchner lieben.

Als Letztes möchte ich dir noch eine Turmauffahrt im Neuen Rathaus ans Herz legen. Tickets gibt es für 6 Euro in der Touristeninfo. Der Ausblick von hier oben ist wirklich ein Highlight. Bei schönem Wetter erhebt sich am Horizont sogar die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg.

Die letzte Mühle Münchens

Ein ganz besonderes Juwel, die letzte Mühle Münchens, befindet sich ebenfalls in der Altstadt, nicht weit von der Oper entfernt. Die Kunstmühle war ehemals eine Malzmühle und Teil des Hofbräus. Dieses Jahr ist ein ganz besonderes, denn in 2021 feiert die einzige noch aktive Getreidemühle Münchens ihr 100-jähriges Jubiläum. Heutzutage wird hier immer noch großteils Weizen aus der Region von drei Müllern verarbeitet. Mithilfe von acht originalen Walzstühlen werden hier täglich 40 Tonnen Mehl produziert. Auch ein tierischer Helfer leistet wertvolle Dienste: eine Katze, welche die Mühle mäusefrei hält.

Der Mehlladen rechts neben dem Eingang zur Mühle existiert bereits seit 1988. 2011 kam die Bäckerei links davon hinzu. Jakob Blum, dessen Name auch das Schild des Ladens ziert, war der Urgroßvater des jetzigen Müllers. Wenn alles gut geht, wird dieser einzigartige Familienbesitz auch in der nächsten Generation weiter bestehen. Eine einstündige Führung findet jeden Freitag um 16.00 Uhr statt und bietet wirklich spannende Einblicke in diese Schatzkammer. Sie kostet 5 Euro. Dabei erfährst du übrigens auch, welche Pizzerien in München mit diesem hochwertigen Mehl arbeiten. Eine verrate ich: das Katzlmacher, direkt um die Ecke. Und falls du Lust hast zu lernen wie man echte bayrische Brezen backt, dann ist der angebotene Backkurs perfekt für dich.

Nur ein paar Meter vom Hofbräuhaus entfernt lohnt es sich, durch die idyllischen Platzlgassen zu schlendern. Auch der versteckte Kabinettgarten und der Brunnenhof der Residenz sind herrliche Oasen der Ruhe.

Urban und Contemporary Art im Muca Museum

Du bist – wie ich – ein Fan von Streetart? Dann musst du unbedingt dem Muca, Deutschlands erstem Museum für Urban und Contemporary Art, einen Besuch abstatten. Auf 2.000 Quadratmetern geben wechselnde Ausstellungen Vertretern dieser jungen Kunstform der Street und Urban Art einen Raum, sich in der Kunstgeschichte zu verankern. Bekannte, aber auch neuartige Werke von bekannten Künstler wie Banksy, JR oder Richard Hambleton werden hier unter anderem gezeigt. Von Banksy beispielsweise nicht nur die bekannten Schablonen-Bilder, sondern auch Skulpturen oder Bilder, die sein Talent als Maler unter Beweis stellen. In dem ehemaligen Umspannwerk in der Hotterstraße ist auch das Café und Sternerestaurant Mural untergebracht, das mit seinem industriellen Ambiente wirklich Lust auf einen Besuch weckt. Nicht verpassen: die Toilette, deren Eingang in täuschend realistische Streetart gehüllt ist. Der Eintritt ins Museum kostet 7,50 Euro.

Kulinarische Leckerbissen in der Altstadt

So eine Stadterkundung macht bekanntlich hungrig. Der Viktualienmarkt und seine Umgebung sind prädestiniert für eine vielseitige Schlemmertour. Starten wir mit etwas deftig-salzigem, den veganen Hotdogs von Holger Stromberg im Organic Garden. Mein Favorit: ein grünes Brötchen mit Räucherknacker, Zwiebeln, Apfel-Senf-Soße und verschiedenen Toppings. Die Hot Dogs sind individuell zusammenstellbar. Die Zutaten für deinen Hot Dog kannst du dir je nach Gusto ganz individuell zusammenstellen. Im Café Frischhut, das seit über 50 Jahren existiert, kommst du schließlich in den Genuss eines echten Münchner Originals, der Schmalznudel. Heiß, fettig und einfach nur sauguad, wie von Oma! 

Für einen feinen Kaffee (auch mit Hafermilch) und vor allem für himmlische süße Törtchen empfehle ich dir den Stand von Lea Zapf auf dem Viktualienmarkt. Allein die gemütliche Sitzbank rund um das grüne Holzhäuschen mit Girlande, Lichterkette und Kissen wirkt bereits unglaublich einladend und behaglich für eine kleine Ruhepause. Vor der Theke fällt die Wahl dann schwer.

Ein Luftikus, für den die gelernte Konditormeisterin bekannt ist, ein französisches Cannèle oder doch ein blättriges Brioche mit Zimt? Am besten alle durchprobieren, denn sie sind mit viel Liebe, Leidenschaft und sogar Mehl von der Kunstmühle gebacken.

Nebenan haben die Jungs von Caspar Plautz die Kartoffel zum Star ihres Stands gewählt. Ausgefallene Kreationen ziehen jeden Mittag Liebhaber der vielseitigen Knolle an.

München Tipps: Graffitis, kreative Gastronomie und coole Vibes im Schlachthofviertel

Bei meiner letzten Tour zu den schönsten München Sehenswürdigkeiten erkundete ich unter anderem das coole Werksviertel mit seinen Graffitis, Containern, angesagten Cafés und Restaurants. Nun hieß es auf ins Schlachthofviertel, wo sich München ein weiteres Mal von seiner hippen Seite zeigt. Das Schlachthofviertel zählt geografisch gesehen zur Isarvorstadt, reicht jedoch noch ein Stückchen nach Sendling hinein. Der namensgebende Schlachthof, der bereits seit 1878 existiert, ist zwar immer noch in Betrieb, ein Großteil der Fleischverarbeitung und des Tierhandels wurden jedoch inzwischen ausgelagert. Die so entstandenen weiten Freiflächen wurden umgestaltet oder zwischengenutzt und bieten jungen, kreativen Menschen eine Wirkstätte sowie einen Ort für kulturelle Begegnungen.

Ein kreativer Freiraum für Anwohner, aber auch Besucher ist der Zenetti Platz. Früher ein Parkplatz, laden heute auf der Gemeinschaftsfläche inmitten von üppig begrünten Hochbeeten Sitzgelegenheiten zur Rast ein. Lesebegeisterte finden im Büchertauschregal neue Lektüre. Schräg gegenüber hat das Volkstheater in einem Backsteinbau mit Bullauge ein neues Zuhause gefunden und gilt derzeit als modernstes Theater Europas.

Kulinarische Freuden & kreatives Kunstchaos

Nur ein paar Meter weiter ist das Frischeparadies eine erstklassige Adresse für Foodies wie mich. Ich könnte stundenlang durch die Gänge streifen und mich am liebsten einmal durch das komplette Sortiment aus vielen Ländern der Welt schlemmen. Ob Fisch, spanischer Schinken, frisches Obst und Gemüse oder süße Sünden, mit leeren Taschen verlässt vermutlich niemand diesen lukullischen Ort. Apropos Essen, für Hungrige gibt es im Schlachthofviertel einige ausgezeichnete Adressen. In der gemütlichen Vesperia genießt du zum Beispiel leckere Vesperplatten. Im Café Le Hygge, das zum Schwabinger Café Sobicocoa gehört und streng genommen zum Dreimühlenviertel zählt, verschmelzen Kunst, Klamotten-Shopping, gute Drinks und vegan-vegetarische Köstlichkeiten miteinander. Bei meinem Besuch war leider das von drei Frauen geführte Goldmarie, in dem du hervorragende nachhaltige Gerichte auf der Karte findest, in der Sommerpause. Eine gelungene, nette Kombination aus Buchladen und Café ist das Buch & Bohne am Kapuzinerplatz.

Als nächsten Stopp bietet sich der Bahnwärter Thiel an. Ich liebe das durchaus etwas skurrile Flair dort. Das Areal mit alten Seefracht-Containern, Tram- und U-Bahnwaggons, die allesamt mit bunten Graffitis geschmückt sind, versprüht einen ganz eigenen kreativen Charme. Sogar Wohnwägen thronen auf den meterhohen Containern und sind nur über eine eiserne Leiter in schwindelerregender Höhe erreichbar. Auf dem Konzert- und Partygelände finden auch regelmäßig Flohmärkte statt, doch ein Besuch lohnt sich selbst ohne Veranstaltung, denn hier kannst du in kleinen Läden stöbern oder dich umgeben von Hochbeeten in einem der Cafés oder Restaurants auf ein Getränk oder mehr niederlassen.

Gemütlich nach Schiffsmanier den Abend ausklingen lassen

Neben dem Bahnwärter Thiel ist noch ein weiterer Ort ein Highlight des Viertels: ein ehemaliger Ausflugsdampfer, der noch bis vor ein paar Jahren auf dem Ammersee herumschipperte. Heute ankert die Alte Utting spektakulär auf einer Brücke und bietet auf verschiedenen Ebenen gut 400 Leuten Platz. Zusätzlich laden davor Terrassen und dahinter ein Biergarten zum Verweilen ein. Vom Deck bietet sich ein großartiger Blick auf die Bahnschienen, die Großmarkthalle und den Bahnwärter Thiel. An verschiedenen Foodständen werden unter anderem Pizza, afrikanische Gerichte, Stockbrot, Bowles oder vegane Burger angeboten. Regelmäßig finden in dieser coolen Location auch Veranstaltungen wie Konzerte oder Street-Food-Märkte statt. Und falls du richtig in Feierlaune bist, erwartet dich gegenüber die Gruam Kneipe, die bis in die frühen Morgenstunden geöffnet hat.

München Tipps: Liebhaber-Läden, idyllische Hinterhöfe & französisches Flair in Haidhausen

In Haidhausen ist die Welt noch in Ordnung, so habe ich das Gefühl. In dem ehemaligen Arbeiter-Vorort, der erst Mitte des 19. Jahrhunderts in die Stadt eingemeindet wurde, geht es für eine Großstadt immer noch herrlich unaufgeregt, ruhig und stressfrei zu. Nur wenige Touristen und Hipster-Läden, aber viel authentisches Flair vergangener Zeiten und einladende Grünflächen und Plätze zum Entspannen findest du hier vor. Aus diesem Grund und sicher auch wegen dem besonderen nachbarschaftlichen Zusammenhalt ist Haidhausen vor allem bei Familien so beliebt.

Bierkeller & ein gescheitertes Attentat auf Hitler

Meine Viertelliebe Führung mit Grit startet am Gasteig. In den 80er Jahren als Raum für Kultur gebaut, beherbergt das Zentrum heute unter anderem die Münchner Philharmonie, die Stadtbibliothek und die Hochschule für Musik und Theater. In den hinteren Gebäuden ist die Gema untergebracht, was bereits an den Skulpturen und dem Erich-Schulze-Brunnen aus Musikinstrumenten erkennbar ist, der aus einer 7,5 Meter hohen Tuba und einem steinernen Bassin in Form eines Konzertflügels ohne Deckel besteht. Eine Installation über einige Aspekte der Geschichte dieses Stadtteils am Eingang zum Gasteig informiert unter anderem über seine Vergangenheit als Kellerstadt. Bis zur Erfindung der Kältemaschine 1876 befanden sich in Haidhausen im Untergrund des Isarhochufers die Bierkeller von über 50 Brauereien, mit gigantischen Ausmaßen. Im Münchner Kindl-Keller, der im 2. Weltkrieg zerstört wurde und an dessen Stelle nun das Holiday Inn auf der anderen Straßenseite steht, fanden zum Beispiel 10.000 Leute Platz.

Der Bürgerbräu Keller, der sich ebenfalls auf dem Gelände des Gasteigs befand, war dagegen 1939 Schauplatz eines historischen Ereignisses. Hier versuchte Johann Georg Elser mit einer neben dem Rednerpult platzierten Bombe Adolf Hitler zu beseitigen. Da Hitler den Raum wegen eines Termins jedoch schon früher verlassen hatte, misslang dieses Attentat und Johann Georg Elser wurde ins Konzentrationslager Dachau verbannt, wo er kurz vor Kriegsende ermordet wurde. Eine im Boden eingearbeitete Gedenktafel erinnert an sein mutiges, präzise vorbereitetes und leider doch gescheitertes Vorhaben. 

Entspanntes Flair am Wiener Platz

Vom Gasteig geht es weiter zur Kirche St. Johannes, die wie das Gasteig und andere München Sehenswürdigkeiten aus Ziegel gebaut sind. Der Ziegelbrennerbrunnen erinnert an die Herstellung dieses Baumaterials, das in Haidhausen produziert wurde. Ein Besuch der Kirche lohnt sich, denn Kirchenbänke sucht man in dieser Wohnkirche mit vielgestaltigem Gemeindeleben vergeblich. Nächster Stopp ist der Wiener Platz mit seinen farbenfrohen Gemüse-, Obst- und Blumengeschäften sowie gemütlichen Cafés.

Ich liebe die beschauliche Atmosphäre hier! Einfach perfekt, um einen Aperitif zu trinken, dem entspannten Treiben zuzusehen oder nebenan im Hofbräukeller einzukehren.

Weißt du eigentlich, warum in Biergärten ausschließlich Kastanien als Schattenspender dienen? Sie sorgen dafür, dass das Bier in den darunter liegenden Kellern kalt bleibt, da sie nicht tief, sondern nur an der Oberfläche wurzeln. Kleiner Tipp für alle Nicht-Bayern: An den Biertischen wird nicht bedient, aber du darfst dein eigenes Essen mitbringen. An den anderen Tischen kannst du dagegen von der ausliegenden Speise- und Getränkekarte bestellen. 

Charmante Herbergshäuschen aus vergangenen Zeiten

Von hier geht es weiter durch die Straße „An der Kreppe“, wo du vielleicht zum ersten Mal ein ehemaliges Herbergshäuschen bestaunen wirst. Die niedrigen, restaurierten Häuser wurden von den Arbeitern des Viertels gebaut und versprühen schon fast einen ländlichen, niedlichen Charme. Doch der Schein trügt: Früher lebten die Menschen hier meist in katastrophalen, ärmlichsten Verhältnissen. Viele dieser Gebäude wurden später von der Stadt gekauft und beherbergen nun soziale Einrichtungen.

Vorbei an der hübschen Schlossstraße und der St. Johann Kirche erreichen wir nun die Preysingstraße mit dem bekannten Restaurant Preysinggarten. Ein paar Meter weiter zieht das wohl berühmteste Haus Haidhausens alle Blicke auf sich: der beeindruckende Kriechbaumhof, ein weiteres Beispiel eines ehemaligen Herbergsanwesens aus dem 18. Jahrhundert, das jedoch rekonstruiert ist. Im Herbergsmuseum, dem Üblacker-Häusl gegenüber kannst du dir einen Eindruck verschaffen, unter welchen armseligen Bedingungen die Tagelöhner damals leben mussten. Nebenan führt ein verträumter, kleiner Rundweg durch die malerischen Gärten eingewachsener Häuser und der Keramikwerkstatt von Angelika Stiegler. Hier fühlt man sich wirklich wie in einem lauschigen, alpenländischen Dorf!

Geschäfte- und Café-Hopping im Franzosenviertel

Über die Wörthstraße mit vielen Kneipen, Restaurants und kleinen Läden spazieren wir zum Bordeauxplatz. Haidhausen ja auch das Franzosenviertel genannt. Die symmetrisch angelegten Straßen wurden nach Orten siegreicher Schlachten des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 benannt und so bekam Haidhausen den Namen Franzosenviertel. Auch die vielen französischen Restaurants zeugen daher. Nirgendwo in München ist die französische Lebenskunst so stark zu spüren wie hier. Kleine, reizvolle Geschäfte wie das Reibolds oder das 1260 Grad, in dem Inhaberin Petra seit über 20 Jahren kunstvolle Vasen, Teller oder Becher aus Keramik verkauft, laden zum Stöbern und Shoppen ein. 

Ein beliebter Treffpunkt ist auch der wunderschön bepflanzte Weißenburger Platz, wo unsere Führung endet. Falls du bei deiner Haidhausen Erkundung schlechtes Wetter erwischst, kann ich dir das Müllersche Volksbad ans Herz legen. In diesem malerischen Jugendstilbad lässt es sich in nostalgischem Ambiente herrlich Schwimmen und Schwitzen.

Café Tipps: Ein besonders reizvolles Café ist das Mr. Baker’s Coffee House. Ob zu Kaffee und Kuchen oder zum Mittagessen, vor allem in dem eingewachsenen Innenhof könnte man stundenlang dieses kleine Paradies genießen. Das Café Stulle & Stoff ist ebenfalls eine gute Adresse für einen Snack à la Stulle und ein leckeres Getränk. In einer Seitenstraße des Weißenburger Platzes lädt wiederum das gemütliche Café Noel zum Verweilen ein. Du hast Lust auf Eis? Dann gönn dir mindestens eine Kugel bei Chocolatte.

München Tipps: Jugendstil, Parkliebe und Krawalle in Schwabing

Wenn von München die Rede ist, denken weltweit die meisten Menschen an Schwabing und vor allem Altschwabing. Seine Blütezeit erlebte dieses heutige Szeneviertel in den goldenen Jahren von 1890 bis 1914, als sich zahlreiche berühmte Künstler aller Sparten aus der ganzen Welt in den günstigen Atelierwohnungen des ehemaligen Dorfes niederließen und seinen Charakter als buntes, pulsierendes Künstlerviertel prägten. Einer von ihnen war Kandinsky, der hier das erste abstrakte Gemälde weltweit malte. Anfang der 60er Jahre prügelten sich während der „Schwabinger Krawalle“ in der Leopoldstraße über mehrere Tage freiheitsliebende Studenten und Jugendliche mit der Polizei wegen Anwohnerbeschwerden über die Lärmbelästigung einer Musikgruppe.

In den 70ern zelebrierten Rainer Langhans, den man heute noch im Luitpoldpark beim Tischtennisspielen antreffen kann, und Uschi Obermaier in der „Highfish-Kommune“ die freie Partnerwahl und psychoaktive Substanzen und etablierten ein neues Lebensmodell. In den 80er Jahren kam dann die Münchner Schickeria auf mit Snobismus, Reichtum und Kokain. Die Freiheit und Leichtigkeit von damals ist auch heute noch in manchen Straßen zu spüren, auch wenn es stiller geworden ist in Schwabing. Es befindet sich in permanentem Wandel und ist ein facettenreiches, freigeistiges Viertel mit enormer Anziehungskraft.

„Das damals so laute und unruhige Schwabing ist still geworden – kein einziger Laut verbreitet sich von dort.“

schrieb Wassily Kandinsky 1930

Meine Viertelliebe Tour startet mitten in Schwabing mit Berliner Flair, dem 24-Stunden-Kiosk an der futuristischen Haltestelle der Münchner Freiheit. Solche Spätis kenne ich aus meiner Zeit in Berlin, wo circa 1000 Kiezläden die Anwohner mit dem Nötigsten versorgen, wenn die anderen Läden schon geschlossen haben, von Getränken, über Süßes bis hin zu Waschmittel. Apropos Süßes, nur ein paar Meter von der Haltestelle entfernt, lockt das alteingesessene Café Münchner Freiheit unter anderem mit verführerischem Gebäck für einen ausgedehnten Kaffeeplausch. Schon Helmut Fischer, alias „Monaco Franze“, genoss hier häufig seinen geliebten Schwarzwälder Kirsch Eisbecher. Eine Statue im Cafégarten erinnert an den berühmten bayerischen Volksschauspieler.

Auf den Spuren von Kneipenbesitzern, Schriftstellern und Künstlern

Schwabing ist bekannt für seine reich verzierten Häuser im Jugendstil. Ein besonders schönes Haus, das viele Elemente dieser Epoche vereint, befindet sich schräg gegenüber der Münchner Freiheit. Davor bewacht eine Statue der Schönheitskönigin Bally Prell, die ihr ganzes Leben in diesem Haus wohnte, ihr ehemaliges Zuhause. Weiter geht’s zum Wedekindplatz und dem Musenbrunnen, benannt nach dem satirisch-sarkastischen Lyriker Frank Wedekind, der unter anderem für das satirische Wochenblatt Simplicissimus schrieb.

Hier steht auch die etwas krumme Schwabinger Laterne, die der legendären Kneipenbesitzerin und frechen Kultsängerin Gisela gewidmet ist. Heute befindet sich in deren Lokal das Gasthaus Vereinsheim, ein beliebter Veranstaltungsort der Kleinkunstszene. Ich mag diesen Bezirk sehr, denn in der Occamstraße laden unzählige Restaurants und Cafés in idyllischen Schanigärten zum Verweilen ein unter anderem das Occam Deli mit kosmopolitischer Küche und New York-Flair, das zu meinen Lieblingsrestaurants in Schwabing zählt.

Lustspielhäuser & politisches Kabarett

In der Occamstraße befindet sich auch das Lustspielhaus und gleich um die Ecke das traditionsreiche Lach und Schiess, das erste politische Kabarett in diesem Viertel. Auch heute noch sind die Vorstellungen in beiden Häusern sehr beliebt und gut besucht. Die hübsche Sankt Sylvester Kirche ein Stück weiter reicht bis zur Entstehung Schwabings zurück. Die ehemalige Dorfkirche zählt zu den ältesten kirchlichen Bauwerken Münchens und besteht seit 1925 aus einer neuen und einer alten Kirche. Ein ganz besonderes Haus ist auch das heutige Restaurant Seerose, in dem Thomas Mann drei Jahre lebte und die Buddenbrooks vollendete.

Schräg gegenüber fertigt das Halfs hochwertige, außergewöhnlich schöne Haferlschuhe und Lederboots an. Nicht nur zur Tracht ein Hingucker! Ein paar Schritte entfernt erinnert der Viereckhof, ein im 13. Jahrhundert errichteter, denkmalgeschützter Bauernhof, an vergangene Zeiten. In den 1980er Jahren wurde er in ein Tagungshaus umgewandelt und von der Katholischen Akademie an der Stelle des früheren Maibaums des Dorfes von Schwabing ein neuer, sehr hübsch gestalteter Maibaum errichtet.

Currywurst to go, Biergarten oder Eis

Wenn sich bei deiner Schwabing Erkundungstour der Hunger meldet, hol dir im Fräulein Müller Kiosk eine Stärkung oder probiere die möglicherweise beste Currywurst Münchens im Alles Wurscht. Nebenan, im idyllischen Garten des Kulturzentrums in der Seidlvilla, finden regelmäßig Veranstaltungen gemeinnütziger Vereine und der Münchner Volkshochschule statt. Ein weiteres schönes Gebäude, in das ich sofort einziehen würde, ist das Surenessschlößchen, in dem unter anderem Paul Klee ein Atelier besaß. Im Rahmen von Lesungen, Veranstaltungen und dem Tag der offenen Tür kannst du es besichtigen.

Eine meiner Lieblingsstraßen ist die Kaiserstraße mit ihren vielen zauberhaften Jugendstilbauten. Hier befinden sich auch weitere meiner Lieblingsrestaurants wie der Kaisergarten, das Garbo, das Ola Kala, das Cochincina und die Bartu Eisdiele. Der Eisladen, der mich regelmäßig in den Eishimmel schweben lässt, ist jedoch die Starnberger Eismanufaktur am Kurfürstenplatz. Superleckeres Eis in einer hausgemachten Butter-Zimt-Waffel – ein Gedicht! Aber zurück zur Kaiserstraße. Hier, genauer gesagt in Hausnummer 46, wohnte sogar schon Lenin und plante die Russische Revolution. Nicht weit entfernt liegt der Englischen Garten, die Grüne Lunge Münchens, ein wunderschöner, weitläufiger Volkspark, der Münchnern wie Besuchern Erholung und Möglichkeiten für lange Spaziergänge bietet. Dort solltest du unbedingt den Eisbach-Surfern einen Besuch abstatten und dir im Fräulein Grüneis Kiosk ein leckeres Getränk und eine kleine Brotzeit gönnen.

Meine Heimat München ist schon ein wirklich schönes Fleckchen Erde, oder? Komm doch mal vorbei und überzeuge dich selbst. Oder warst du schon einmal hier? Welche sind deine Lieblingsorte? Ich bin gespannt. Hinterlasse gerne einen Kommentar auf unserem Reiseblog!


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*Dieser Artikel entstand im Rahmen einer bezahlten Zusammenarbeit mit München Tourismus. Bei der Umsetzung des journalistischen Inhalts war ich jedoch vollkommen frei und meine Meinung ist wie immer meine eigene. Im Beitrag gibt es Werbelinks. Buchst oder kaufst du etwas über diese, bekommen wir eine anteilige Provision. Der Gesamtbetrag ändert sich dadurch für dich nicht. Danke dir!

About Author

Hi, ich bin Nina. Reisen bedeutet für mich Freiheit, Glücksgefühle und unvergessliche Momente. Besonders ins Schwärmen gebracht und fasziniert haben mich bisher Island, Neuseeland, Südafrika und Bali.

2 Comments

  • Robert
    6. September 2021 at 8:27

    Tolle Tipps und wirklich wunderbare Fotos! 1000 Dank. Vieles kannte ich als Münchner auch nicht. Meine München-Geschichte und -Tipps (Stand Sommer 2019) findet Ihr hier: https://soscheescho.de/muenchen_freiraeume/ Viele LG von Robert

    Reply
    • Melanie
      7. September 2021 at 8:28

      Sehr gerne lieber Robert! Und vielen Dank auch für deine Tipps! :)

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